{"id":375,"date":"2009-08-20T07:42:14","date_gmt":"2009-08-20T06:42:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lernsoftware-mathematik.de\/cms\/?p=375"},"modified":"2012-08-29T11:41:05","modified_gmt":"2012-08-29T10:41:05","slug":"werkzeug-bleibt-werkzeug-%e2%80%93-ob-digital-oder-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lernsoftware-mathematik.de\/?p=375","title":{"rendered":"Digital oder nicht? &#8211; das ist zweitrangig."},"content":{"rendered":"<p>Immer wieder stellt sich mir die Frage: Ist die &#8222;Sonderrolle&#8220;, die digitalen Lernmedien oftmals in der Forschung und Rezension von Unterrichtsmedien zugesprochen wird, \u00fcberhaupt sinnvoll und sachdienlich? H\u00e4ufig werden in Studien digitale und nichtdigitale Lernmedien miteinander verglichen oder argumentativ voneinander abgegrenzt als ob die pure Eigenschaft, dass etwas in digitaler oder analoger Form vorliegt den entscheidenden Unterschied macht. Besonders bizzar finde ich, dass es teilweise eigene <a href=\"http:\/\/www.lernsoftware-mathematik.de\/cms\/?p=230\" target=\"_blank\">Kriterienkataloge f\u00fcr Lernsoftware<\/a>\u00a0gibt,\u00a0als ob f\u00fcr das Lernen grundlegend andere Kriterien gelten w\u00fcrden als f\u00fcr andere Lernmedien.. Viel sinnvoller w\u00e4re es, bestehende didaktische Kriterien um Kritierien f\u00fcr technische Eigenschaften zu erg\u00e4nzen.<!--more-->Um nicht falls verstanden zu werden: Nat\u00fcrlich sind digitale Lernmedien anders, was technische Eigenschaften angeht. Jedoch hinsichtlich der Inhalte, die damit umgesetzt werden k\u00f6nnen und der damit erreichten Lernunterst\u00fctzung spricht meiner Meinung nach nichts daf\u00fcr, eine Sonderrolle auf dieser Ebene zu postulieren. Einzelne digitale Lernprodukte k\u00f6nnen die technischen Eigenschaften vielleicht besonders gut f\u00fcr die Lernunterst\u00fctzung nutzen. Aber mit sogenannten Neuen Medien k\u00f6nnen genauso n\u00fctzliche wie unn\u00fctzliche Lernmittel realisiert werden wie mit anderen, &#8222;analogen&#8220; Medien. Viel entscheidender als das Tr\u00e4germedium ist die didaktische Qualit\u00e4t der Anwendung!<\/p>\n<p>Im Mathematikunterricht spielen &#8222;Tools&#8220; (Hiebert et al. 1997) eine zentrale Rolle. Als Werkzeuge gelten alle Mittel (neben gegenst\u00e4ndlichen Arbeitsmitteln auch z.B. Sprache), die das Lernen unterst\u00fctzten k\u00f6nnen. Werkzeuge m\u00fcssen immer hinsichtlich der Unterst\u00fctzung des Lernens gesehen werden. Sie m\u00fcssen sich zur Bewerkstelligung von (mathematischen) Problemen nutzen lassen, zum Nachdenken und zur Kommunikation \u00fcber mathematische Themen und zum Festhalten von Ideen (Hiebert et al. 1997). Meiner Ansicht nach sollte dieser Werkzeugcharakter zentrales Kriterium f\u00fcr den Einsatz von Lehr- und Lernmittel im Mathematikunterricht sein, und weniger die technischen Eigenschaften des Mediums.\u00a0Eine Unterscheidung (bzw. der Vergleich) zwischen digitalen und nicht digitalen Lernmedien f\u00fchrt nicht zu viel mehr, als unn\u00f6tig und unbegr\u00fcndet zu polarisieren (&#8222;Digitale Lernmedien sind besser\/schlechter als andere Unterrichtsmedien&#8220;) und damit Unterscheidungen zu provozieren, die im didaktischen Diskurs gar nicht sinnvoll sind. Sie stellen das Tr\u00e4germedium ins Zentrum und nicht die didaktischen Eigenschaften der damit realisierten Werkzeuge. Es sollte vielmehr \u00fcberlegt werden, wie (egal ob mittels digitaler oder analoger Medien) Werkzeuge geschaffen werden k\u00f6nnen, die den Lernenden bei der Auseinandersetzung mit bestimmten Lerninhalten helfen. Dies w\u00fcrde den Blick weg von technischen Eigenschaften auf didaktische \u00dcberlegungen richten (vgl. Urff 2010). Und ich denke, dass gerade digitaler Lernmedien durch ihre Beschaffenheit und Flexibilit\u00e4t einige (zumeist ungen\u00fctzte) Potentiale haben, die sich didaktisch nutzen lassen und zu didaktisch \u00fcberzeugenden mathematischen Lernmitteln f\u00fchren k\u00f6nnen. Diese m\u00fcssen jedoch allein an ihrer didaktischen Funktion, ihrem <a href=\"http:\/\/www.lernsoftware-mathematik.de\/cms\/?p=182\" target=\"_self\">Mehrwertpotential<\/a>,\u00a0bemessen werden, und nicht an medialen Eigenschaften (vgl. Urff 2010). Deshalb m\u00fcssen hier auch dieselben Kriterien gelten wie f\u00fcr andere mathematische Arbeitsmittel (z.B. Anbahnung nichtz\u00e4hlender L\u00f6sungsstrategien).<\/p>\n<h4>Literatur<\/h4>\n<p>Hiebert, J., Carpenter, T. P., &amp; Fennema, E. (1997). <em>Making Sense: Teaching and Learning Mathematics with Understanding.<\/em> Heinemann.<\/p>\n<p>Urff, C. (2010): Potentiale und Perspektiven computergest\u00fctzter Lernf\u00f6rderung beim Erwerb grundlegender mathematischer Kompetenzen. <em>Zeitschrift f\u00fcr Heilp\u00e4dagogi<\/em><em>k<\/em>, 61 (4), S. 141-150<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder stellt sich mir die Frage: Ist die &#8222;Sonderrolle&#8220;, die digitalen Lernmedien oftmals in der Forschung und Rezension von Unterrichtsmedien zugesprochen wird, \u00fcberhaupt sinnvoll und sachdienlich? 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